Projekt 2018: «Eine Träne blieb zurück - Immigranten»

 

Um das Jahr 1850 hat ein Bündner Bauernpaar den festen Entschluss gefasst, das Land zu verlassen um sich ins Abenteuer mit dem Zielort Argentinien zu stürzen. Sie verabschieden sich schweren Herzens von ihren Freunden, der Familie und der alten Heimat um sich auf den Weg in Richtung Süden zu machen. Am Meer angekommen beginnt für die beiden mit einem Zweimaster nach Südamerika die Reise.

 

An Board ist die erste Euphorie schnell verflogen und Zweifel kommen auf. Der Weg an die Traumdestination ist voller Rückschläge und zerrt an den Kräften des Paares. Auf dem Schiff ist jeder selber für die Verpflegung verantwortlich und schnell überschattet der Hunger die gute Laune. Auf hoher See beginnt es zu stürmen und viele der Passagiere werden seekrank. Der starke Wind, der peitschende Regen und die hohen Wellen bieten ein Naturspektakel wie es sich das Paar aus den Bündner Bergen niemals vorgestellt hätte. Auf engstem Raum unter Deck versuchen sie gemeinsam den Sturm zu überstehen.

Während der nicht enden wollenden Reise gab es aber auch schöne Momente. Bei ruhiger See konnte man gemeinsam die Sonnentage geniessen und bis tief in die Nacht im Mondschein tanzen, singen und lachen.

Mit jedem neuen Tage auf dem Schiff wurde das Verlangen nach der Ankunft in der neuen Heimat grösser und die Hoffnung die Reise erfolgreich zu überstehen kleiner. Die Nerven liegen blank denn das Kindergeschrei, die beissende Hitze und ein bestialischer Gestank lassen die Sehnsucht ins unermessliche steigen – bis eines Tages der erlösende Schrei „Land in Sicht“ zu hören ist.

 

In Buenos Aires angekommen kann das Paar den festen Boden unter den Füssen kaum fassen. Sie werden in einem der Hotels für Immigranten einquartiert und erkunden die neue Welt. Doch dabei merken sie schnell, dass es hier sehr viele gewöhnungsbedürftige Unterschiede im Vergleich zu ihrer alten Heimat gibt. Der wohlbehagende Schutz den die Bündner Berge bieten ist nicht mehr zu spüren: Die hygienischen Zustände sind miserabel und das Paar wird schnell mit Not, Elend und Seuchen konfrontiert. Sie lernen aber auch viele neue Freunde kennen die ihnen Mut machen. Gemeinsam feiern sie in den Bars und Freudenhäusern wo sie in Kontakt mit dem Tango kommen. So wurde zum Beispiel auch das Bandoneon, ursprünglich aus Deutschland und hergestellt von Herrn Band, in die Feierlichkeiten integriert. Durch die Verschmelzung ihrer alten und der neuen Kultur kommt schnell ein vertrautes Heimatgefühl auf und lässt die letzten Zweifel ihrer Auswanderung verfliegen.

Nach dieser ersten Angewöhnungsphase ziehen sie in eines der conventillos de La Boca, sogenannte Mietskasernen die zu Unterkünften für Immigranten umgewandelt wurden, ein. Hier bauen sie sich ihre neue Heimat aus alten Schiffsteilen und Farbresten zusammen und haben es endlich geschafft: Sie sind zu Hause angekommen.